Anzeiger Hochhaus Hannover 2017

Eine besondere Besichtigung kam uns zugute: Wir konnten die außergewöhnliche Situation nutzen und das Anzeiger Hochhaus während der Renovierungsarbeiten des Kuppeldaches besuchen und anschauen.

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Anzeiger Hochhaus Hannover

Zunächst sahen wir uns jedoch die Beletage an, jene Räume, in denen nach dem Krieg Rudolf Augstein den Spiegel und Henri Nannen ebendort den Stern gründeten. Natürlich mußte vieles in diesen Räumen erneuert werden, zwar im Stil der 20er und 30er Jahre, der lange Redaktionstisch ist jedoch noch das Original aus jener Zeit Ende der 40er, Anfang der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts.

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Beletage mit original Redaktionstisch

 

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Beletage – Chefbüro

Von der Beletage im 2. Geschoß ging es dann ins 7. Geschoß und in den Kuppelraum, der normalerweise nicht betreten werden konnte. Wir schauten uns zunächst den Raum an, in dem zuletzt das Flebbe Hochhaus-Kino war; ursprünglich war es jedoch ein Planetarium und als solches konzipiert. Eine exakt halbkreisförmige Decke, auf die die Gestirne projiziert wurden, war unmittelbar unter der eigentlichen Kuppel-Dachkonstruktion angebracht worden. Der Drempel, ein kreisförmiger Mauervorsprung, ist noch zu sehen; die halbkreisförmige Decke war jedoch in den Kriegswirren des 2. Weltkrieges durch eine Brandbombe zerstört worden. Die einzige Beschädigung des Baus übrigens, den die Alliierten als Landmarke für ihre Bomber benutzten. In späteren Jahren wurde eine Zwischendecke eingezogen, die das Dach des Hochhaus-Kinos bildete.

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Dachkonstruktion mit Kino
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Dachkonstruktion mit Brandbomben-Einschlagsloch

Über die Treppe in einer Gerüstkonstruktion stiegen wir die 17 m bis zur Kuppel hoch, die nach dem System Zeiss-Dywidag konstruiert wurde: Ein sternförmiges Netzgeflecht aus Eisenstäben wurde innen mit Torfoleum-Platten gedämmt und außen mit einer 6 cm dicken Spritzbetondecke abgedeckt. Darüber kamen die mit handgefertigten Dübeln befestigten 0,6 cm dicken Kupferplatten, die der Kuppel das charakteristische patinagrüne Aussehen verleiht.

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Eisernes Netzgeflecht

 

Trotz des nun neunzigjährigen Bestehens des Baues kann vieles erhalten bleiben, einiges, u.a. das Kupferdach, muß erneuert werden. Da aufgrund der deutlichen Verbesserung der Luftqualität Kupferdächer keine Patina mehr ansetzen, wird diese künstlich erzeugt, so daß auch in Zukunft die Kuppel ihre grüne Farbe behält.

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Die Kuppel